
5 Schwarz aufweiss von Walter Kleinsasser Das Jahr ist noch jung, es ist also sinnvoll, sich über dessen Besonderheiten Gedanken zu machen. So haben wir zum Beispiel noch elf Zwölftel des Jahres vor uns, zusätzlich zu den Wochenenden und den persönlichen Urlauben und/oder Ferien aber auch beinahe ein Jahres-Sechsundzwanzigstel an Wochen- tags-Feiertagen. Diese fallen heuer„günstig“, das heißt, man spart sich etliche Arbeitstage mehr als noch im Vorjahr. Ob dies unter dem Strich so positiv ist,wie es auf den ersten Schein klingt,wenn man bedenkt, dass unser schönes Land ohnehin bereits zu den Urlaubsweltmeistern zu zählen ist und die Wirtschaft ein gewisses Mindestmaß an Produktivität benötigt, sei dahingestellt. Ich je- denfalls beziehe kein aktives Arbeitseinkommen mehr, kann also die vorige Aussage ohne Auswirkung auf mein persönliches Le- ben tätigen. Ja, ich schreibe sogar davon wie die sprichwörtliche Jungfrau vom Kind, der Mann von Geburtswehen, Politiker von eingehaltenen Versprechen, Raucher von Feinstaubeinsparungen, Jugendliche vom Pensionsschock, Punk-Rocker von Alban Berg, österreichische Fußballer von Leistungssport, Österreich von der Bestbeurteilung amerikanischer Agenturen. Da gibt es nun Länder, die haben schon vor Jahren kirchliche Feiertage, die auf Wochentage fallen, auf das Wochenende verlegt; zwar handelt es sich dabei um Italien (da sieht man ja, wohin das führen kann!), trotzdem hat die Idee doch einen intelligenten Hintergrund.Auch bei uns gab es schon Vorschläge, wenigstens die Donnerstags-Fei- ertage auf Freitage zu verlegen,um den Produktionsprozess etwas zu optimieren, ohne die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu beschneiden – im Gegenteil, da ginge es ja um längere Wo- chenenden.So richtig ernst genommen wird das aber nicht,leben wir doch immer noch auf einer Insel der Seligen, wo die wohler- worbenen Rechte heilig sind. Und wieder der Hinweis, dass ich hier argumentiere, ohne dass irgendwelche Folgen daraus mich selbst treffen könnten. Anderen mitzuteilen, wie viel besser es wäre, alles anders zu machen, ohne, dass man selbst auch nur irgendwie davon betroffen ist, ist nur für mich angenehm und einfach. Bei meinem Besserwissen handelt es sich also wohl um so gänzlich widersprüchliche Wahrheiten wie Fußgänger-ehren- de Radfahrer, Radfahrer-achtende Fußgänger, Adipositas-Men- schen mit Bulimie und (welch Ironie!) intelligente Kolumnisten. IHR SCHWARZ AUF WEISS Willkommen im neuen Jahr. Und? Alle gut rüber- gerutscht? Mutig! Denn 2012 geht ja angeblich die Welt unter. Das Ende wird für den 21. bis 23. Dezember 2012 erwartet. Von wegen! Man muss ja nicht alles glauben, was lustige kleine Menschen, die noch lustigere kleine Götzen angebetet haben, berechnet haben. Viel mehr als dem Maya-Kalender sollte man dem GRAZETTA-Kalender Beachtung schenken. Da steht: Mo- nat für Monat wird eine besondere Persönlichkeit am schwarz- weißen Firmament zu sehen sein. Dieser „Star“ wird begleitet von Kometen aus Politik und Wirtschaft und jeder Menge ge- sellschaftlicher Sternschnuppen. Also keine Angst, liebe Le- ser, wir sind für euch da. Und während die Rating-Agenturen schwarzmalen, wissen wir, dass Graz nicht Athen ist. Die Grazer stimmen sich positiv auf das Jahr ein, tanzen bis in die frühen Morgenstunden bei der Opernredoute und zelebrieren schon bald den Fasching in Reinkultur. Masken rauf und rein ins Getümmel der Narren. Hier wird gelebt. Den Rettungsschirm braucht nicht unser Geld, sondern der Mensch selbst – am Fa- schingsdienstag. Das ist Netzwerken vom Feinsten. Positiv den- ken, Freunde! Das Leben ist zu kurz. Und dennoch: Wer etwas erreichen will, braucht neben dem Talent zum Netzwerken auch Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und die richtigen Prioritäten im Leben. Hier können sich alle ein Scheibchen von der neuen Rektorin der Karl-Franzens-Universität „abschneiden“. Christa Neuper hat es geschafft und steht nun als erste Frau in der mehr als 420-jährigen Geschichte der Uni Graz an der Spitze (ab Sei- te 8). Ihr ganz besonders wünscht die GRAZETTA ein erfolg- reiches Jahr 2012. So wie auch euch, liebe Leser, denn Erfolg be- ginnt im Kopf und nicht auf irgendeiner Rechenmaschine von Standard & Poor’s. Euer Chefredakteur tali@grazetta.at Die AAA der GRAZETTA: Aufrichtig, Aufregend, Anders. Talis Welt von Tali Tormoche Foto:VolkerWohlgemuth